1214 Views |  Like

Young Rebel Set, 30.12.2013, Postbahnhof, Berlin

Die zwei besten Dinge, die man machen kann, wenn im Hintergrund Popmusik läuft? Rumknutschen und tanzen, klar. Beides gleichzeitig funktioniert aber selten und so steht man als Single-Tänzer dann beim Rumknutschsong gern dreieinhalb Minuten rum und guckt dumm aus der Wäsche. Oder man würde gern rumknutschen, kann das aber nicht, weil der Song zu schnell ist und drumherum viel zu viel Bewegung ist. Auch nicht optimal. Wenn es in den letzten Jahren einer Band gelungen ist, beide Welten zu vereinen, dann ist das sicher Young Rebel Set. Zu deren Songs kann geknutscht und getanzt werden. Und das sogar gleichzeitig. Schön ist das.

Über die Vorband an diesem Abend schweige ich besser. Grauenvoll war das. Und ich schwöre, dass ich noch nie so viele, in die Luft gestreckte Mittelfinger gesehen habe, wie in der Sekunde, als die jugendliche Band nach Ende ihrer Show ein Bild vom Publikum gemacht hat. In ihren besten Momenten erinnerte die Musik dieser Band an die schwächsten Momente von Two Door Cinema Club. Den Namen der Truppe habe ich vergessen. Oder verdrängt, ich weiß es nicht…

Komischer Einstieg in einen Konzertabend, der das Jahr 2013 so wunderbar abrunden sollte. Young Rebel Set haben es in besagter Nacht locker geschafft, sich in die Top3 der besten Konzerte des Jahres zu spielen. Ohne da noch eine Reihenfolge nennen zu wollen, stehen sie damit an der Seite von Kashmir und Crystal Fighters. Einen schöneren Jahresabschluss kann man sich kaum wünschen.

Wer mich kennt, weiß um meine Schwäche für englische Popmusik. Insbesondere sind da natürlich Oasis, die mich mit diesem Virus angesteckt haben. Aber wie viele andere Bands gab es da noch im Laufe der Jahre, in deren Musik ich mich verloren habe? Wie Oasis kommen auch Young Rebel Set aus dem Norden Englands. Der Dialekt ähnelt sich deshalb, auch wenn es Matty Chipchase im Gegensatz zu Liam Gallagher schafft, wirklich jede Ansage so runterzunuscheln, dass der ungeübte Zuhörer wirklich nichts mehr versteht. Bei Liam war das ja eher stimmungsabhängig… Aber ich schweife ab.

Young Rebel Set spielten im ausverkauften Postbahnhof eine runde Mischung aus allen drei Alben. Insbesondere bei den Hits Lions Mouth, Walk on und Measure of an Man beweist das inzwischen wieder gutgelaunte Publikum erstaunliche Textsicherheit. Apropos erstaunlich. Ich rede hier ja weißgott nicht von irgendeiner Teenieband. Das Gekreische wenige Meter neben mir hat mich dann doch etwas verwundert. Es galt dem Bassisten Chris Pamley, den ich jetzt zwar nicht unbedingt als klassische Schönheit beschreiben würde, dank dem sich aber offenbar doch so manches Mädchen auf ein Folkrockkonzert-Konzert verirrt hat, das man ansonsten wohl eher bei Justin Biber vermuten würde. Gut, steckste nicht drin.

Es bleibt die Erkenntnis, dass die korrekte Reihenfolge für die drei besten Bands dieses Genres momentan wie folgt lautet: 1. Young Rebel Set 2. Half Moon Run 3. Mumford & Sons …und dass sich Young Rebel Set auf dem ersten Platz einfinden, daran kann kaum jemand zweifeln, der an diesem Abend den Überhit If I was gehört und die Gänsehaut gespürt hat, die unweigerlich aufkommt, wenn jeder, wirklich jeder in dem Laden diese wunderbaren Zeilen singt. Tschüss, 2013.