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5 Gründe, aus denen 12 Years a Slave bei den Oscars abräumen wird

Ich gebe zu, ich habe nahe am Wasser gebaut. Bei emotionalen Szenen in Filmen werden mir schnell die Augen feucht. Gleichzeitig leide ich aber auch mit den Figuren eines Films, wenn ihnen Unrecht geschieht oder sie grausam behandelt werden. 12 Years a Slave war in dieser Hinsicht ein Wechselbad der Gefühle für mich. Bei den diesjährigen Oscars wird der Film abräumen, da bin ich mir sicher.

Zugegeben, die Konkurrenz ist groß. Mit American Hustle und Gravity

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(jeweils zehn Nominierungen) hat 12 Years a Slave (neun) zwei Konkurrenten, die den letztjährigen Gewinner des Hauptpreises (Argo
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) wahrscheinlich locker in den Schatten stellen. Und ich schreibe hier „wahrscheinlich“, weil ich das bisher nur für Gravity mit Gewissheit sagen kann. American Hustle startet schließlich erst im Februar. 12 Years a Slave von Steve McQueen stellt aber alles in den Schatten und das wird sich in einem wahren Oscarregen niederschlagen.

1. Historische Stoffe sind in Hollywood angesagt

Betrachten wir die Preisträger seit 1990 stellen wir fest, dass insgesamt 14 „beste Filme“ historische oder biographische Stoffe zum Inhalt hatten. Daneben kamen Sozialkritik und die Aufarbeitung der amerikanischen Geschichte immer gut an.

Da passt 12 Years a Slave wie die Faust aufs Auge. Der Film erzählt die Geschichte der Versklavung der freien Amerikaners Solomon Northup. Dieser wurde 1841 durch eine List aus seiner Heimatstadt gelockt, entführt und auf eine Plantage Louisiana verkauft. Seine Leidenszeit sollte 12 Jahre dauern. 12 Jahre, die er nach seiner Befreiung in einem Buch beschrieb, das nun als Vorlage für diesen wunderbaren dient.

2. Chiwetel Ejiofor spielt überragend

Verkörpert wird Northup durch Chiwetel Ejiofor. Ich kann mich kaum erinnern, wann ein Film zuletzt so sehr von seinem Hauptdarsteller getragen wurde. Und das spricht keineswegs gegen die Geschichte, das Buch oder die Bilder, sondern einzig für die schauspielerische Klasse Ejiofors. In den ersten Szenen als treusorgender Familienvater, später als gutgläubiger und hoffnungsvoller Narr, schließlich als gebrochener Mann. Ejiofor verkörpert diese Entwicklung auf eine eindringliche Weise, wie sie Gänsehaut verursacht. Hauptkonkurrent um den Preis als bester Hauptdarsteller dürfte der bislang bei den Oscars sträflich vernachlässigte Christian Bale sein. So sehr ich ihm den Preis auch gönne, aber an Ejiofor dürfte in diesem Jahr kein Weg vorbei führen.

3. Die Nebenrollen sind eine Sensation

Aber auch der Rest des Ensembles ist unglaublich. Benedict Cumberbatch, Michael Fassbender und Brad Pitt. Allein diese drei Namen reichen eigentlich für einen tollen Cast. Wenn dann aber noch eine Schauspielerin wie Lupita Nyong’o derart überzeugend auftritt, wie hier in ihrer Rolle als Sklavin Patsey, die als heimliche Geliebte von Plantagenbesitzer Epps (Fassbender) den Argwohn ihrer Herrin auf sich zieht, kann man nur anerkennend nicken. Gerade das Zusammenspiel dieser beiden lässt kaum einen Zweifel daran, dass Fassbender und Nyong’o die Preise als beste Nebendarsteller gewinnen müssen.

Ich will nicht überleben. Ich will leben.

– Solomon Northup

4. Musik die Gänsehaut verursacht

Und dass ich noch einmal einen Score von Hans Zimmer loben werde, hätte ich auch nicht gedacht. 1994 gewann der Komponist den Oscar für seine Musik zum König der Löwen

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. Seit dem hat er fast ausschließlich mit bombastischem Krach Weltuntergänge vertont. Grauenvoll und eintönig war das. Und jetzt das: Zarte Streicher, einfühlsame Gospelchöre und nur ganz selten, immer dann wenn es wirklich passt, auch mal ein paar Bässe. Da wäre eine Auszeichnung durchaus verdient.

5. der Film wirft Fragen auf

12 Years a Slave ist ein klassisches Erzählkino. Der Film nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu entwickeln und scheut sich nicht, auch Bilder sprechen zu lassen, wenn Worte längst an ihre Grenzen geraten sind. Gerade diese Bilder machen nachdenklich. Wenn in langen, beängstigenden Szenen gezeigt wird, wie der an einem Baum aufgeknüpfte Northup um sein Leben kämpft, während um ihn herum Kinder spielen und Frauen ihrer Arbeit nachgehen. Oder wenn Menschen geschlagen werden und ihre Qual in furchtbar langen Einstellungen dargestellt wird. 12 Years a Slave ist alles andere als ein Feel-good-Film, klar, dass er aber so sehr weh tut, ist überraschend.

In seinen besten Momenten regt der Film zum Nachdenken an und konfrontiert seinen Zuschauer unweigerlich mit der Frage, wie er sich verhalten würde, käme er in eine derartige Lage. Eindrücklich auch die brillanten Dialoge, insbesondere von Northup und Bass (Brad Pitt). Bleibend der Ausspruch von Solomon Northup: „Ich will nicht nur überleben. Ich will leben.“

Nein, ich interessiere mich eigentlich nicht sonderlich für Preisverleihungen wie die Oscars. Wenn es aber einen Film gibt, dessen Machern ich alle Preise dieser Welt gönne, dann ist es 12 Years a Slave. Denn dieser Film begeistert, macht betroffen und beeindruckt gleichermaßen. So muss Kino sein.