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Thees Uhlmann & Band + Rob Lynch, 22.11.2013, Huxleys Neue Welt, Berlin

Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich zu diesem Konzert gehe. Einerseits war ich vom letzten Uhlmann-Album

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ziemlich enttäuscht, andererseits begleitet mich die Musik dieses Typen jetzt schon so lange, dass ich an dem Abend des Konzerts ziemlich pissed gewesen wäre, hätte ich irgendwas anderes gemacht. Dass ich schließlich doch gegangen bin sollte ich nicht bereuen. Thees Uhlmann hat ein Konzert gespielt, wie es besser kaum geht. Und das obwohl die Tiefpunkte der neuen Platte auch live nicht überzeugen.

Dankenswerterweise beginnt Uhlmann sein Konzert mit drei seiner schwächsten Stücke, darunter Weiße Knöchel, Bomben meiner Stadt und dem Tiefpunkt des ersten Albums, das Mädchen von Kasse 2. Ich schreibe hier dankenswerterweise weil das natürlich verspricht, dass die Zahl der Stücke die ich nicht mag im weiteren Verlauf der Show deutlich geringer sein wird. Thees Uhlmann war schon immer ein großer Geschichtenerzähler, gerade deshalb mochte ihn immer so gern. Auf seinem zweiten Soloalbum hat den Geschichten jedoch meines Erachtens nach zuviel Aufmerksamkeit gewidmet und dabei vergessen, dass das Ganze auch noch als Song funktionieren muss. Ein Stück wie Bomben meiner Stadt funktioniert schließlich trotz seines ausgesprochen guten Textes nicht. Und das liegt nicht mal an dem ätzenden BoomBoomBoom-Mitgrölteil im Refrain der mir beim ersten Hören die Schamesröte ins Gesicht trieb.

Ein Stück wie & Jay-Z singt uns ein Lied funktioniert dagegen ganz hervorragend. Immer noch und das wird auch nicht aufhören. Selbiges gilt für zum Laichen und sterben, Delta oder das neue Zugvögel. Am 7. März ist dann trotz der langen und durchaus launigen Geschichte vorweg ein Tiefpunkt. Dem Stück fehlt einfach sein Antriebsmoment. Uhlmann hat die Nummer vermutlich für seine Mutter geschrieben, was ohne Frage eine tolle Geste ist die ohne Wenn und Aber zu dem Kerl passt. An das Niveau eines Klassikers wie Schreit den Namen meiner Mutter kommt es trotzdem nicht heran. Das ist nicht nur ein Unterschied von Klassen, man fragt sich vielmehr ob es noch dieselbe Sportart ist.

Klar, Tomte ist Geschichte. Das machen die Stücke des neuen Albums noch deutlicher klar, als es jene des Vorgängers taten. Mit dem Wandel des Songwritings kommt auch eine Veränderung des Publikums. Viele der Leute um mich herum hätte man früher auf keinen Fall auf einem Uhlmann/Tomte-Konzert angetroffen. Bei manchen liegt das schlicht daran, dass sie zu Tomte-Zeiten noch zu jung waren, bei anderen liegt es daran, dass sie dafür schon zu alt waren. Die Beliebigkeit, die die neuen Stücke teilweise ausstrahlen bringt all diese Menschen aber ohne Weiteres unter einem Konzerthallendach zusammen. Und so sieht man heute T-Shirts der Ärzte und der Foo Fighters, wo früher Trainingsjacken und Seitenscheitel vorherrschend waren.

Um nicht zu pessimistisch zu klingen. Das neue Album hat natürlich auch Hits, wie beispielsweise es brennt, das live genauso gut funktioniert wie auf Platte. Etwas bezeichnend ist es aber auch dass die zwei, in meinen Augen, besten Stücke des Albums in Uhlmanns Liverepertoire keinen Platz finden. Auf zerschmettert in Stücke habe ich mich wahnsinnig gefreut. Am Ende wurde es genauso wenig gespielt wie ich gebe auf mein Licht. Sehr schade ist das.

Dass es trotzdem ein wirklich gutes Konzert war liegt vor allem an der Ausstrahlung Uhlmanns. Wie einst redet er viel zwischen den Stücken, ist immer wieder für einen Spaß mit dem Publikum gut und lässt sich ansehen, dass er die Situation und den Erfolg mehr als genießt. Und wer könnte ihm das missgönnen.

Sonst noch was? Ach ja, Rob Lynch. Mit Vorbands ist es ja immer so eine Sache. Ziemlich undankbarer Job für die Musiker und auch als Konzertbesucher hat man da ja oft wenig Lust drauf. Rob Lynch, dessen Album

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gerade auf Grand Hotel van Cleef erschienen ist, hat aber gepasst wie die Faust aufs Auge. Nach den ersten Nummern hat er das Publikum voll eingefangen und so manch einen daraus wird es vermutlich im nächsten Jahr zu seiner Headlinertour ziehen. Der Sound erinnert ziemlich an Frank Turner, Stücke wie lonely Bones oder Hawking aber trotzdem ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter. Mehr davon, bitte.

Was vergessen? Das Bier. Ekelhaft. Im Huxleys trink ich nichts mehr.