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Editors, 30.10.2013, Haus Auensee, Leipzig

Wenn du den weiten Weg bis Leipzig wegen einem Konzert auf dich genommen hast, dann verlässt du den Konzertsaal nicht nach der dritten Nummer nur weil es scheiße ist. Und dann schaust du dir die Show der Editors eben zähneknirschend bis zum Ende an, auch wenn der Fremdschämfaktor schwindelerregende Höhen erreicht. Die Band hat dir schließlich mal etwas bedeutet und es ist ja auch keine Art, sich nur ein halbes Konzert anzusehen. Das ist ja wie rumfummeln über der Bluse, dann aber nicht weitergehen. Sowas geht höchstens auf Festivals in Ordnung, da kann man sich schließlich noch mit allgemeiner Reizüberflutung rausreden, aber sonst?

Die Editors haben vor vielen Jahren ein sensationelles Album (The Back Room

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) veröffentlich und anschließend sogar die Kür gemeistert, eine zweite Platte (An End Has a Start
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) auf dem selben, verdammt hohen Niveau zu machen. Das dritte Werk (In This Light and on This Evening
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) der Band aus Birmingham triefte dann geradezu vor Pathos, hatte aber durchaus seine Momente. Ich konnte mich auch mit diesem Album sehr gut arrangieren. Was dann aber in diesem Jahr passiert ist, ist mir ein Rätsel.

Es lässt sich ja nicht einmal sagen, dass das neue Album schlecht wäre. Viel schlimmer noch: Es ist vollkommen belanglos. Wenn ein Künstler den man schätzt ein Werk veröffentlicht, das man nicht mag, bietet es trotzdem noch eine Grundlage für eine Auseinandersetzung. Diese Auseinandersetzung kann in der Suche nach Gründen für das Nichtgefallen liegen, im Vergleich mit Vorgängerwerken oder auch mit dem Fahnden nach biographischen Korrelationen liegen. Wenn das Werk aber gar nicht mehr berührt, ist da auch diese Verbindungslinie weg.

Genauso verhält es sich leider mit The Weight of Your Love

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. Was die Platte bietet ist solider Stadionrock der ganz klar auf große Bühnen drängt, dem aber die Seele völlig abhanden gekommen ist, darüber können auch die abermals vor Pathos triefenden Zeilen nicht hinwegtäuschen, von denen das Album in noch stärkerem Maße geprägt ist, als sein Vorgänger. Dass es ausgerechnet diese Stücke sind, die den Großteil der ersten Konzerthälfte ausmachen ist nicht ungewöhnlich, kann aber kaum dazu beitragen, meine Skepsis zu beseitigen. Es ist nicht nur die mangelnde Qualität von Stücken wie Formaldehyde oder Ton of Love, viel schlimmer sind deren Begleitumstände. Spätestens beim zweiten Stück beginne ich, der Show nur noch unter der Aufgabenstellung „Finde die Rockstargeste!“ zu folgen. Was da auf der Bühne passiert ist nichts anderes als Zirkus, das wird spätestens an der Stelle klar, an der Frontkasper Tom Smith zum ersten mal auf sein Klavier klettert. Dass er dieses Kunststück im Laufe des Abends noch wiederholen sollte, macht die Angelegenheit nicht weniger peinlich. Geradezu traurig sind die Reaktionen des Leipziger Publikums das offenbar Gefallen an dem Spektakel findet und in CDU-Parteitagsmanier über dem Kopf in die Hände klatscht. Die Band spielt schließlich auch ihre älteren Hits routiniert runter. Das Geschehen auf der Bühne wirkt aber auch dabei auf eine so befremdliche Art und Weise choreographiert dass ich das Ende des Konzerts geradezu herbeisehne. Zumindest das muss man der Band zugute halten: Kurz war das Konzert nicht.

Die Editors, so scheint es, sehen sich inzwischen irgendwo zwischen Bon Jovi und Creed. Das entsprechende Publikum haben sie dafür bereits, ich zähle allerdings nicht mehr dazu. Das Gute am Rumgefummel über der Bluse war immer das verhaltene Versprechen für die Zukunft, das darin stets mitschwang. An die Zukunft der Editors will ich aber gar nicht denken.