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Crystal Fighters, 9.11.2013, Astra Kulturhaus, Berlin

Dass Popmusik die Welt vielleicht doch ein kleines bisschen besser machen kann, daran hegt sicher niemand auch nur den geringsten Zweifel, der an diesem Abend im Astra Kulturhaus zugegen war. Die Crystal Fighters entführten ihr Publikum für knappe 90 Minuten in eine andere Welt die so ganz weit weg ist vom Alltag. Und wenn dieses Gefühl dann auch noch am nächsten Morgen anhält weiß man, dass man einem großen Abend beiwohnen durfte.

Als Konzertmensch hat man es in dieser Stadt nicht einfach, viel zu dicht liegen Enttäuschung und Euphorie beieinander. Am Morgen noch geflucht, als das offenbar nicht ganz so geheime Geheimkonzert von Arcade Fire aka The Reflektors in der Sekunde ausverkauft ist, in der der Ticketverkauf beginnt. Am Abend dann plötzlich auf Wolke 7 und ein lockeres „fickt euch doch, Refklektors“ auf den Lippen. Grund dafür ist nichts geringeres als das beste Konzert des Jahres, da lege ich mich jetzt schon fest. Was soll denn da auch noch kommen? Mit den Crystal Fighters aus London stand nämlich eine Band auf dem Plan, deren einziges Problem es ist, dass sie nicht weiß wie man Lieder schreibt, die keine Hits werden.

Ich weiß nicht mehr, wann ich nach einem Konzert zum letzten mal so durchgeschwitzt war. 90 Minuten tanzen und springen fordern ihren Tribut. Nicht nur bei mir, wie die vielen glücklichen Menschen die sich nach der Show in den Armen lagen, beweisen. Die Crystal Fighters spielen eine wunderbare Mischung aus den Hits ihrer beiden Alben Star of Love

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und Cave Rave
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und zeigen, wie ein Rockkonzert aussehen muss. Obwohl zwischen beiden Platten ein deutlicher stilistischer Unterschied liegt, schafft es die Band eine völlig harmonische Show auf die Beine zu stellen. Und angesichts der Energie die auf und vor der Bühne herrscht, fallen nicht mal die Mitmachanimationen negativ ins Gewicht. Denn trotz allem Zirkus, und diesen Begriff will ich an dieser Stelle ausschließlich positiv besetzt verstehen, merkt man hier in jeder Minute, dass die Musik im Mittelpunkt steht. Natürlich laden Stücke wie das wundervolle Love is all I got oder das etwas pathetische at home zu großen Gesten ein. Dass diese aber nicht in Peinlichkeit ersticken, wie vor Wochenfrist bei den Editors, macht die Klasse dieser Band aus.

Und so entstehen dann magische Momente wenn vermeintliche Diskohits wie Champion Sound in ein Akkustikgewand gekleidet werden und dennoch nicht an Tanzbarkeit einbüßen, oder das Publikum geschlossen ein Happy Birthday to you für Frontmann Sebatian Pringle anstimmt.

Den Reiz dieser Band macht seit jeher ihre eigenwillige Kombination aus elektronischen Elementen und teils etwas eigenwilligen akkustischen Instrumenten, wie den baskischen Txalapartas, einer Art Klanghölzer die zu zweit gespielt werden, aus. Live funktioniert das so erstaunlich gut, dass wohl kein Bein lange auf seinem Platz bleibt. Popmusik die auf die Tanzfläche drängt, genau so, wie ich es mag.

Angesichts der Endorphine, die den Körper nach Ende der Show noch immer durchströmen treten dann selbst tristes Herbstwetter und Enttäuschung über Konzerte, die man nicht erleben wird in den Hintergrund. Mehr davon. Bitte.