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Ampl:tude + Freddy Knop, 21.11.2013, Schokoladen, Berlin

„Nixi, du musst damit aufhören, nur über die ganz besonders tollen und die ganz besonders beschissenen Konzerte zu schreiben. Was ist denn mit dem ganzen Durchschnitt?“, meinte H. neulich so und hatte damit natürlich irgendwie recht. Das Problem dabei ist allerdings, dass ich gleichermaßen sehr begeisterungsfähig und sehr schnell genervt bin. Dazwischen gibt es nur wenig, da bleibt für diesen sogenannten Durchschnitt kaum noch Platz. Aber tatsächlich gibt es so Kategorien von Konzerten, über die ich irgendwie tatsächlich nur selten schreibe. Keine Ahnung, warum. Vermutlich wäre auch die Show von Ampl:tude in diese Kategorie gefallen, aber ich gelobe Besserung. Ehrlich.

Eröffnet wurde der schöne, und am Ende doch erschreckend lange Abend von Freddy Knop, seines Zeichens Solo-Elektro-Künstler der auch unter den Namen Plonk und Mock auftritt. Hinter einem dieser Namen verbirgt sich vermutlich auch seine Band, die ihn zum Ende seines Auftritts unterstützt hat. Ich gestehe an dieser Stelle meine völlige Unwissenheit ein und bitte um Erklärung in der Kommentarspalte.

Aber zurück zum Wesentlichen. Freddy Knop spielt Musik, die man früher vermutlich leichtfertig in die Schublade mit der nichtssagenden Aufschrift „Minimal“ gesteckt hätte. Heute wäre ich da etwas vorsichtiger, viel zu offensichtlich ist da nämlich der Flirt mit dem Dancefloor den mein zuckendes Knie glaubhaft bezeugt. Während Freddy den ersten Teil seiner Show allein mit seiner Samplingmaschine bestreitet, holt er sich für die letzten Stücke Verstärkung an Schlagzeug und Bass. Zu dem teils etwas unstrukturiert wirkenden Klanggewitter vom Beginn kommen jetzt klare Basslinien und ein Schlagzeug, das den nach wie vor dominanten elektronischen Elementen der Musik den roten Teppich ausrollt. Spätestens jetzt bin ich auch in Tanzstimmung, schade dieser Teil des Abends dann doch schon recht schnell vorbei ist.

Eigentlicher Headliner des Abends sind schließlich auch Ampl:tude, jene Band aus den Frühtagen von Sinnbus die damals so herrlich verspielte Elektroshows abgeliefert hat, dass ich noch Jahre später vergeblich nach vergleichbarer Musik gesucht habe. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass es Ampl:tude überhaupt noch gibt. Das letzte Album (Der Igel An der Orgel

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) erschien 2007 und die wenigen Konzerte, die es seither gab sind vollkommen an mir vorbeigegangen. Das allerdings dürfte vor allem an meiner Abwesenheit vom Ort des Geschehens gelegen haben. Umso mehr habe ich mich jedenfalls gefreut, die Band mal wieder zu sehen. Verändert hat sich wenig. Im Mittelpunkt steht noch immer der Spaß, was an der Tanzflächentauglichkeit von Stücken wie Kwirli oder das gute alte Gedöns aber wenig ändert.

In all den Jahren habe ich es im Übrigen nicht ein einziges mal versäumt, beim Auflegen nicht mindestens ein Stück von Ampl:tude zu spielen. Auf hören ist bis heute eine der meißtgehörten und -gespielten Platten meiner Sammlung. Und ja, ich vertrete fest die Ansicht, dass die Zeit damals einfach noch nicht reif für die Musik dieser Band. Wenn sich ansieht, das für einen Erfolg vergleichsweise langweilige Musiker dieser Tage haben, ist es nicht unwahrscheinlich dass die Kids die den gegenwärtigen Elektrotrend tragen nur auf eine solche Band warten. Den Fame räumen unterdessen die unzähligen Audiolith-Bands ab und jene, die versuchen genau so zu klingen. Sei es ihnen gegönnt, ich freue mich einfach auf das nächste Konzert von Ampl:tude.