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Spider-Man #111. Danke.

Eigentlich sind Superheldencomics nur für den kurzweiligen Zeitvertreib gedacht. Hin und wieder passiert es dann aber doch, dass eine Geschichte nachwirkt und beim Lesen echte Emotionen auslöst. Die letzte Ausgabe von Spider-Man hat das bei mir gerade geschafft. Dafür gebührt ihrem Autor Dan Slott eine ganz tiefe Verbeugung.

Gefragt nach den Comics, die mir am meisten bedeuten hätte ich bisher immer „Der Tag, an dem Superman starb

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“* und „Final Night“ genannt. Im Zentrum beider Geschichten stehen neben dem üblichen Superheldenpathos vor allem auch die dramatischen Momente im Mittelpunkt. Eben die Augenblicke, in denen selbst die mächtigsten Helden nicht mehr weiter wissen und das Schicksal nicht mehr in ihren Händen halten. Mit dem letzten Kapitel seines langen Spidey-Runs hat Dan Slott definitiv noch einen weiteren Titel zu dieser exklusiven Liste bedeutender Comics hinzugefügt.

Spider-Man scheitert in dieser letzten Geschichte auf so hohem Niveau, dass ich beim Lesen beinahe durchgängig einen dicken Kloß im Hals hatte. Es ist Slotts Verdienst, dass er dieses Scheitern aber nicht als einen von vielen Heldentoden inszeniert, wie es sie regelmäßig gibt. Slott löst seine Geschichte so viel geschickter und so viel dramatischer auf. Über hundert Hefte hat er diesen einen großen Moment der Verzweiflung vorbereitet, nur um dann mit einem Finale zu schließen, dass den Leser trifft wie ein unerwarteter Punch einen angeschlagenen Boxer.

In den letzten Jahren hat Slott zunächst Spideys Erzfeind Doc Octopus heruntergeschrieben. Aus dem mächtigen Verbrechergenie wurde ein sterbendes Wrack, dessen Ableben am Ende nur noch eine Frage von Stunden zu sein schien. Doc Ock bittet Spidey in diesem letzten Kapitel schließlich an sein Sterbebett nur um zu einem letzten Schlag auszuholen. Wie sich jetzt zeigt, hat Slott über Jahre in Nebenhandlungen daran gearbeitet, Ocks letzten Geniestreich vorzubereiten und immer wieder anzudeuten. Dadurch, dass Peter Parker Bestandteile von Ocks Technologien verwendete ist es seinem Gegner im Verborgenen gelungen, dessen Hinmuster zu decodieren. Jetzt, quasi mit seinen letzten Atemzügen schafft er es, sein eigenes Bewusstsein in den Körper von Peter/Spider-Man zu übertragen, der sich im Gegenzug dazu im sterbenden Körper des Docs wiederfindet. Puuh.

Was dann folgt ist keineswegs eine billige Fae off-Adaption in Strumpfhosen sondern der dramatischste Superheldenmoment seit langem. Ock beginnt seine neuen Möglichkeiten zu entdecken, während Peter verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Klaustrophobie pur. In Rückblenden und Traumsequenzen vermischen sich die Erinnerungen der Kontrahenten, Peter inzwischen irgendwo zwischen Leben und Tod trifft auf die Menschen, die ihn in seinem Leben verlassen haben und denen er nicht helfen konnte. Selbst Onkel Ben kommt ein letztes mal zu Wort und rafft sich zu einer ermutigenden Ansprache auf. Ock wird sich auf der anderen Seite der Verantwortung bewusst, die mit Spideys Kräften einhergehen. Und vermutlich sind es die Reste von Peters Bewusstsein, die da noch irgendwo schlummern, die den Doc schließlich dazu bringen, ein neuer, besser Spiderman werden zu wollen. Und unterdessen stirbt Peter Parker in einem fremden Körper.

Wahnsinn. Was für ein Finale. Ja, das sollte jeder lesen, der etwas für dramatische Geschichten übrig hat. Ob Comicfan oder nicht…

Grafik: (c) www.paninicomics.de

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