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Man of Steel (Snyder, 2013)

Dem armen Superman wurde in den letzten Jahren übel mitgespielt. Während mit Iron Man

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sogar einem Superhelden aus der dritten Reihe ein Blockbuster nach dem anderen beschert wurde, reichte es für den Stählernen lediglich zu einem lauwarmen Relaunch („Superman Returns“, 2006), der jeder Schlaftablette aus dem Arzneiköfferchen Konkurrenz machen kann. Mit Man of Steel
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ist nun das Team Snyder/Nolan/Goyer angetreten, dem Urvater der Helden neues Leben einzuhauchen. Den hohen Erwartungen werden sie allerdings nur in Ansätzen gerecht.

Der Beginn fällt bombastisch aus. Zack Snyder, der in visueller Hinsicht wohl derzeit aufregendste Regisseur der Welt, inszeniert einen Planeten Krypton, wie man ihn noch nie gesehen hat. Es wirkt fast wie eine tiefe Verbeugung vor der Klassikern des Sciene Fisction-Genres wenn Snyder ein Krypton entstehen lässt, dass wie eine Mischung aus dem Wüstenplaneten Dune und Coruscant, dem Regierungssitz des galaktischen Imperiums bei Star Wars, aussieht.

Krypton sah noch nie so gut aus. Und Kansas erst!

Snyder nimmt sich Zeit, das Ende von Krypton zu inszenieren, das an seiner eigenen Völlerei zugrunde geht. Er zeigt wie Jor-El (Russel Crowe) seinen Sohn Kal in eine Kapsel setzt und zu einem ehemaligen Außenposten Kryptons schickt, auf dem er aufwachsen und das Erbe seiner Heimat überleben lassen soll. Sein großer Opponent, General Zod (Michael Shannon; nicht mit Tim Mälzer verwechseln!) tritt auf den Plan, tötet Jor-El und schwört, den Jungen zu finden. Der landet schließlich mit seiner Raumkapsel irgendwo in Kansas und wird von Johnathan (Kevin Costner) und Martha Kent aufgezogen. Die DNA für Supermans Geschichte ist gelegt.

Von diesem Punkt an könnte der Film in konventionellen Bahnen die bekannte Geschichte erzählen. Er tut es aber nicht. Snyder und Nolan arbeiten fortan mit einem stetigen Wechsel von Szenen der Gegenwart und Rückblenenden in die Jugend und Kindheit von Kal-El (Henry Cavill), der unter dem Namen Clark Kent unter Menschen aufgewachsen ist und von seinem Adoptivvater stets ermahnt wurde, seine übermenschlichen Kräfte nicht leichtfertig zu offenbaren. Gerade diese Rückblicke tun dem Film und seinem Protagonisten gut, gelingt es ihnen doch, die Figur unterschwellig zu charakterisieren. Ganz nebenbei zeigt Synder darin aber auch was er kann.

Während er bislang in erster Linie für berauschende CGI-Welten bekannt war, in denen in Slow Motion Fäuste aufeinanderprallen, zeigt Zack Snyder hier, dass er auch ruhig kann. Snyders Kansas sieht schlicht großartig aus. Es ist die konsequente Weiterentwicklung der Eingangsszene von Sucker Punch

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(2011) und zeigt, was dieser Regisseur zu leisten im Stande sein wird, wenn er sich erst einmal ausgetobt hat. Snyder schießt hier Bilder, von denen ein Terrence Malick (Tree of Life, 2011) nur träumen kann. Dass Snyder aber auch nichts in puncto Bombast verlernt hat, zeigt er immer wieder wenn Supes in Aktion tritt und beginnt, seine Kräfte zu erforschen. Und dann kommt fast zwangsläufig irgendwann der Punkt, an dem man fast rufen möchte „Genug Jetzt! Es reicht Zack!“.

eine 45minütige Zerstörungsorgie bei der dem Zuschauer oft die Spucke wegbleibt

Zod und seine Assistentin Faora (großartig: Antje Traue) kommen zur Erde und wollen aus ihr ein neues Krypton machen. Der feuchte Traum vieler Supermanleser, eine Verfilmung des grandiosen New Krypton-Zyklus (Geoff Johns, 2008-09), scheint zum Greifen nah, bleibt hier aber natürlich nur eine Andeutung. Clark Kent hat schließlich etwas dagegen, dass seine neue Heimat der Zerstörung preisgegeben wird. Superman gibt sich der Weltöffentlichkeit zu erkennen und wirft sich in die Schlacht. Was folgt ist eine 45minütige Zerstörungsorgie bei der dem Zuschauer oft die Spucke wegbleibt, deren Sinn sich allerdings auch nur in Ansätzen erschließt.

Aber Superman ist das nicht, oder?

Bis an diese Stelle also ein durchaus sehenswertes Spektakel, dass zwar einige logische Inkonsistenzen aufweist, insgesamt aber überzeugen kann. Würde das Drehbuch nicht schließlich vorsehen, dass sich der Held plötzlich vollkommen out of character verhält. Egal welche Interpretation des Supermanmythos man heranzieht, handlungsleitend für den letzten Sohn Kryptons sind stets seine moralischen Werte. Egal ob im Comic, im Kino oder im Fernsehen. Das Leben, in welcher Form auch immer, stellt für Superman einen Wert dar, den es nicht zu verletzten gilt. Es stellt sich deshalb die Frage, was die Drehbuchautoren Christopher Nolan und David Goyer dazu bewogen hat, von diesem Standpunkt abzuweichen. Wenn Superman den Tod eines Gegners billigend in Kauf nimmt, ist er nichts anderes als ein seelenloser Söldner. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass er zu diesem letzten Mittel womöglich aus den richtigen Gründen greift. Der Superman, der seit 75 Jahren durch die Comiclandschaft fliegt, würde es schlicht ablehnen, zwischen dem Leben eines Einzelnen und dem von Millionen abzuwägen. Er würde eine Möglichkeit finden, beides in Einklang zu bringen. Nolans Superman tut das nicht, was rückblickend wiederum die ganzen moralischen Reden von Jonathan Kent infrage stellt und an der Person des Stählernen zweifeln lässt.

Man of Steel ist ein bombastisches SciFi-Action-Spektakel, ein Supermanfilm ist er nicht.

Und zum Schluss: Ja, auch Lois Lane (Amy Adams) kommt im Film vor, bleibt aber durchweg blass. Das liegt allerdings nicht nur am Spiel von Amy Adams, sondern vor allem auch daran, dass es Nolan/ Goyer nicht gelingt, Supes Love Interest sinnvoll in die Geschichte einzubauen. Generell fällt auf, dass die Autoren offenbar wenig Interesse am Privatleben Kents zeigen. Es ist erstaunlich, dass es den Köpfen hinter der „Dark Knight“-Trilogie (2005-12) nicht gelingt, sich in das Wesen und die Grundessenz des Supermanmythos einzuarbeiten. Während es ihnen gelang, Batman auf sein Wesen zu reduzieren und daraus eine Figur zu kreieren, die befreit vom Ballast der Vergangenheit eine völlig neue Faszination auslöste, scheitern sie an Superman vollkommen.

Man of Steel ist ein bombastisches SciFi-Action-Spektakel, ein Supermanfilm ist er nicht. Das ist schade, denn der Cast ist fast durchweg brillant und Zack Snyder schafft es, Superman so gut aussehen zu lassen wie nie. Leider hält das Drehbuch diesem hohen Niveau aber nicht stand, was einen schalen Nachgeschmack zurücklässt, der ein wenig an das Gefühl nach der damals ebenso sehnsüchtig erwarteten Verfilmung von Green Lantern

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(2011).

Grafik: aintitcool.com