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Bret Easton Ellis, American Psycho

So viel Sarkasmus, so viel Zynismus lassen sich nur schwer zwischen zwei Buchdeckel pressen. „American Psycho

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“* legt in dieser Hinsicht zweifelsfrei den Maßstab fest. Dabei machen die exzessiven Darstellungen von Gewaltorgien und Sex nur einen kleinen Teil des Buches aus. Viel schockierender ist da fast schon, was zwischen diesen Szenen passiert.

Patrick Bateman ist der Prototyp des Yuppies. Jung, reich, erfolgreich, gutaussehend. Angestellt in einer Investmentbank im New York der 80er Jahre dreht sich sein Leben vor allem um die Frage, in welchem Restaurant man sich zum Mittag trifft und welche Krawatte zu welchem Anzug passt. Die Gespräche bei Tisch kreisen gelegentlich um Politik, viel öfter aber um Mode und den Beziehungsstatus von Kollegen, deren Namen den Gesprächspartnern nur allzu oft nicht einfallen. Beiläufig erwähnt Bateman das ein oder andere mal, dass er den letzten Abend mit dem Mord an einer Prostituierten zugebracht hat und anschließend noch Videos zurückgebracht hat, bevor er einem seiner Freunde Modetipps gibt. Aufmerksamkeit erregt er dabei freilich nur mit den Modetipps, weniger mit seinen Ausschweifungen am vergangenen Abend.

Diese Ausschweifungen sind es aber, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Easton Ellis beschreibt die Exzesse seines Protagonisten in einer erschreckenden Detailtreue, die jegliche Perversion von Torture Porn-Filmen wie Saw oder Hostel locker in den Schatten stellen. Und das will schon was heißen. Vor allem deshalb landete das Buch nach seinem Erscheinen zu Beginn der 90er schnell auf dem Index, von dem es erst zehn Jahre später wieder gestrichen wurde. Befürchtungen wurden geäußert, es könnten sich Nachahmer finden, die Gewaltaten Batemans nachahmen. Frauenverbände warfen dem Autor vor, sexistisch oder gar misogyn zu sein.

Dabei verkennt diese kurzsichtige Kritik natürlich völlig, worum es Easton Ellis wirklich geht. Bewusst zielt der nämlich auf die Schockwirkung beim Leser ab, für den sich das völlige Desinteresse von Batemans Umwelt deshalb als umso unverständlicher darstellt. Easton Ellis gelingt es damit, eine Entfremdung zwischen Lesern und neoliberaler, egoistischer Gesellschaft zu konstruieren, die im Idealfall zu einer Reflexion tatsächlicher gesellschaftlicher Missstände führt. Wenn der Mensch, wie von den Neoliberalen angenommen, tatsächlich nur ein homo oeconomicus ist, der einzig im Eigeninteresse und auf Profitmaximierung fixiert handelt, wird er damit zwangsläufig blind für das Geschehen in seiner Umwelt. Eine Gesellschaft, die einzig aus diesem Typus Menschen besteht, stört sich letztlich auch nicht mehr an Freaks wie Bateman, sondern bringt solche Typen fast als pathologische Begleiterscheinung ihrer sozialen Verrohung hervor.

American Psycho ist ein phantastisches Buch, ein moderner Klassiker den man gelesen haben sollte.

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