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Undercover bei Bang with Friends.

Dem Blog fehle irgendwie investigativer Tiefgang, kritisiert der Verfasser der SMS auf meinem Handy. Ich solle doch mal was über Bang with Friends machen. Das würde ich doch schon seit Wochen so witzig finden und das interessiere sicher auch andere und überhaupt und so, steht da weiter. Woher weiß der denn das schon wieder? Aber ganz unrecht hat er ja nicht…

Bang with Friends war zu Beginn des Jahres in den Medien und löste dort einen kleinen Sturm der Entrüstung aus. Die App solle Facebook-Freunde zusammenbringen, die ein gegenseitiges Interesse aneinander hegen, offenbar aber Probleme haben, sich das einzugestehen. BWF wolle ihnen das Leben vereinfachen. Man würde einfach das (die) Objekt(e) der Begierde anklicken, sollte das Interesse beiderseitig sein, bekämen beide eine Nachricht in der ihnen gratuliert würde. Sollten die Avancen aber nicht auf Gegenliebe stoßen, würde niemand je davon erfahren. Eine Benachrichtigung gäbe es also nur in dem einen Fall, dass sich beide gegenseitig angeklickt haben. Unkomplizierter geht’s nichts. Aber komisch ist das schon irgendwie.

Ich setze mir also eine unauffällige Sonnenbrille und einen Hut auf, so machen die Spitzenjournalisten im 70er-Jahre-Krimi das auch immer wenn sie investigativ unterwegs sind, und gebe die drei magischen Worte in die Google-Suchzeile ein. Bang with Friends. Nach den obligatorischen News-Beiträgen direkt die Website auf die ich es abgesehen habe. Bangwithfriends.com Die Website verspricht so einiges. Drei Schritte seien überhaupt nur nötig bis zur großen …Liebe. 1. installiere die BWF-App 2. wähle sexy Friends aus 3. bang.

Romantik ist, wenn Kerzen brennen

Früher war das umständlicher und bedeutend langwieriger. Da mussten dem Objekt der Begierde zunächst mal schüchterne Blicke zugeworfen werden (nicht starren, aber schon so dass sie es auch merkt!), bevor mit schwitzigen Händen und stotternder Stimme um ein Date gebeten wurde. Es wurde Geld in Wein und Kerzen und anderen Kram auf den Frauen so stehen investiert, bevor es dann eine angemessene Zeit später, unter Umständen tatsächlich zu … naja, Liebe eben kam.




Romantik ist wenn Kerzen brennen, hab ich immer gedacht und jetzt soll das alles mit einem Klick eledigt sein. Ein Klick und dann werden nur noch die Terminakalender synchronisiert, bevor es losgehen kann? Krass. «There’s a Bang out there for everyone» verspricht die Website, ich zögere dennoch. Angeblich ist die ganze Nummer ja weitgehend anonym, von Facebooks Graphsearch mal abgesehen, aber soweit ist es ja noch nicht. Ich fürchte mich ein wenig davor, dass gleich auf meinem Profil steht, dass ich jetzt Bang with Friends nutze und lege mir in Gedanken schon Ausreden zurecht. Natürlich wolle ich nur recherchieren, würde ich sagen und auf meine unauffällige Sonnenbrille verweisen. Und überhaupt: Ich begreife doch Privatssphäre ohnehin nur als eine Phase des Mangels an öffentlicher Aufmerksamkeit. Sollen es doch alles wissen, die Spießer.

Skip the chatting, and get to smacking those cheeks! Which of your friends do you want to bang?

Irgendwie geht dann alles ganz schnell. Ich drücke auf Connect with Facebook, BWF fragt mich nach der Erlaubnis, meine Daten verwenden zu dürfen, ich bestätige, fertig. Kontrollblick auf meine Profilseite: Nichts, es stimmt also. Die Nummer ist halbwegs anonym. Und jetzt? Keine Kerzen, statt dessen die Profilbilder meiner FB-Freundinnen. Endlich verstehe ich, wieso die Menschen über Jahre hinweg Hunderte von Freunde gesammelt haben, weshalb vermutlich jeder Menschen in seiner Freundesliste hat, die er maximal entfernt kennt. Plotzlich macht alles Sinn. Als hätte das Mark Zuckerberg von langer Hand geplant, als hätten Myspace damals nur die technischen Möglichkeiten gefehlt.

Ok, die Sache hat natürlich einen Haken. Ganz so einfach geht’s nicht, schließlich müssten alle Freunde BWF nutzen, damit das Ganze wirklich klappt. Aber wer weiß. Wie hoch die Zahl der Nutzer tatsächlich ist, weiß schließlich niemand so ganz genau.

Wie eine Verabredung zum Tennisspielen (und trotzdem komisch)

Aber zurück zur Recherche. Ich sehe die Übersicht aller meiner Freundinnen und in meinem Kopf beginnen eigenartige Filme abzulaufen. So manches Profilbild verliert seinen unschuldigen Charakter völlig, wenn es mit der Frage «bangable, or not?» konfrontiert wird. Zum Teil wird es regelrecht gruselig. Auf einem Bild posiert eine indonesische Freundin neben einer Wachsfigur von Adolf Hitler. Bangable? – Eher nicht. Theoretisch könnte ich jetzt also einfach alle meine Freundinnen markieren, ganz so wahllos bin ich aber nicht. Generell zögere ich, den «Down to Bang»-Button überhaupt irgendwo zu drücken. Was wenn das Ganze doch ein Fake ist und ich auf dem Profil der Testperson bloß gestellt werde? Ich riskiere es und drücke den roten Button, der sich augenblicklich in ein blaues «Awaiting Bang» verwandelt. Wenn das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht, verfärbt sich der Button vermutlich grün und man kann direkt beginnen, über Ort und Zeit des Treffens nachzudenken.

Ok, mit Romantik hat das wirklich nicht mehr viel zu tun. In Friends with Benefits vergleichen Justin Timberlake und Mila Kunis die ganze Geschichte mit einer lockeren Verabredung zum Tennisspielen. Ja, so wird vielleicht ein Schuh draus. Noch jemand «Down to Bang»? – Ich glaub, ich lass das jetzt erstmal.