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The Walking Dead 2 (Roman, Heyne)

Der Hype um Robert Kirkmans Zombie-Blockbuster the Walking Dead hält an. Gerade erlebte der Comic seine hundertste Ausgabe, da startete in den USA auch schon die dritte Staffel der TV-Adaption. Und nun liegt auch direkt der zweite Band der Romanreihe in den deutschen Buchhandlungen. Und der weiß um einiges mehr zu begeistern als sein Vorgänger.

Ich gebe zu, ich bin mir immer noch nicht sicher, wie ich den ersten Roman zu The Walking Dead

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* finde. Der Vorwurf, das Buch wäre nur der Versuch, ein beliebtes Franchise in möglichst vielen Medien auszuschlachten, ist definitiv nicht gerechtfertigt. Das Buch beleuchtete einen Aspekt des Comics und der TV-Serie, der dort (noch) nicht erzählt wurde. Nämlich den, wie der fiese Governor, der am Ende der zweiten Staffel das erste mal auftauchte, der wurde, der er ist. Auf der anderen Seite war das Buch aber nichts anderes als die Schilderung der Odyssee einer Gruppe von Überlebenden, wie man sie bereits kannte. Dass einer dieser Leute später zum irren Wannebe-Dikatator wird, konnte bis zum Ende des Buches niemand wissen, der die Comics oder die Serie nicht kannte. Kirkman hat da schließlich seine Vorliebe für dreiste Cliffhanger mal wieder richtig ausgelebt.

Und dann war da noch die grausame deutsche Ausgabe dieses Buches. Nicht nur schlecht übersetzt, sondern auch grausam lektoriert, war das Lesen wahrlich kein Vergnügen. Und gerade deshalb kostet es zunächst einiges an Überwindung, The Walking Dead 2

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in die Hand zu nehmen. Dieses Zögern ist unbegründet. Offenbar hat der Heyneverlag aus der Kritik am ersten Band gelernt und auf diesen zweiten mehr Mühe verwandt. Und auch Übersetzer Wally Anker macht hier eine deutlich bessere Figur.

Inhaltlich spinnt Kirkman, erneut unterstützt von Thriller-Autor Jay Bonasinga, seine Geschichte konsequent weiter und nähert sich spürbar dem status quo in Fernsehen und Comic an. Im Mittelpunkt steht zunächst die junge, von Angststötungen heimgesuchte Lilly Caul. Geschildert wird ihre Odyssee durch das Umland von Atlanta bei der sie von einer schrägen Gruppe anderer Überlebenden begleitet wird. So weit bisher nichts Neues. Wäre da nicht der krasse Storytwist nach etwa einem Drittel des Buches. Die Gruppe um Lilly gelangt in das Örtchen Woodbury, jenen Ort in dem einer der Blakebrüder am Ende des letzten Bandes gestrandet war und direkt die Machtstruktur infrage gestellt hat.

Offenbar setzt the Walking Dead 2 einige Wochen nach den Ereignissen des letzten Bandes ein, denn Blake hat seine Herrschaft in dem kleinen Ort inzwischen gefestigt. In Woodbury herrscht inzwischen das Recht des Stärkeren, das einzig durch die Günstlingswirtschaft des Governors eingeschränkt wird. Wer es in seinen Kreis schafft, kann sich aller Annehmlichkeiten gewiss sein, alle anderen müssen hart arbeiten oder, wenn ihre Arbeitskraft nicht gebraucht wird, sich prostituieren um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Aus der Sicht des Neuankömmlings Lilly Caul schildert der Roman nun, wie sich Governor immer weiter in seinen Wahnsinn steigert und sich schließlich dem irren Diktator des Comics immer weiter annähert.

Dass the Walking Dead 2 dabei keineswegs ein Splatterroman ist, auch wenn diese Aspkete nicht zu kurz kommen, sondern sich vielmehr der Soziostruktur einer unter Druck geratenen Gemeinschaft widmet, macht es zu einem hervorragenden, fast schon politischen Buch. Vorkenntnisse sind für sein Verständnis dabei nicht notwendig. Der dritte Band erscheint dann im November. Ich bin gespannt.

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Bild: (c) Heyne-Verlag