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Der Hobbit – eine unerträgliche Reise

„Nixi, kannst du noch was über den Hobbitfilm schreiben? Das muss in die neue Legacy. Is wichtig.“ „Muss ich mir den ollen Film dazu ansehen?“ „Naja, wär schon besser.“ „OK, wenns sein muss.“

Ich lege die Blu-ray

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* also in den Player und skippe bis zur 20. Minute vor. Soweit habe ich den Film nämlich schon beim letzten Anlauf gesehen. Dann übermannte mich die Langeweile und ich schaltete ab. Bis zur 20. Minute passiert im Hobbit nämlich rein gar nichts. Eine Horde betrunkener Zwerge sucht den Helden der Geschichte in seinem Erdloch auf und benimmt sich gehörig daneben. Das soll witzig sein, langweilt aber nur. Wäre diese Szene drei Minuten lang, wäre es ok, aber so? Wenn ich betrunkene Zwerge sehen will, gehe ich am Samstagabend in den Rosenkeller, da werden zudem auch noch kalte Getränke ausgeschenkt, was die ganze Angelegenheit unterhaltsamer macht.

Peter Jackson hat  gar nicht die Absicht, einen normalen Spielfilm zu drehen.

Apropos kalte Getränke. Als nach 40 Minuten Spieldauer des Films noch immer nichts handlungstragendes passiert ist, beschließe ich, mir ein Bier aufzumachen. Vielleicht wird der Film ja so etwas unterhaltsamer. Und tatsächlich: gerade ist die Flache geöffnet, da begeben sich die Zwerge, der Zauberer und der Hobbit auf die titelgebende Reise. Ein normaler Spielfilm ist zu diesem Zweitpunkt schon fast zur Hälfte vorbei. Diese erste Dreiviertelstunde zeigt allerdings auch, dass Peter Jackson hier gar nicht die Absicht hat, einen normalen Spielfilm zu drehen. Dafür gibt es einfach zu viele Belanglosigkeiten und Witzchen, mit denen man Stunde um Stunde füllen kann.

Eines muss ich allerdings festhalten. Die Bild- und Tonqualität dieser Bluray sind beeindruckend. Gegen diese überwältigenden Bilder stinkt selbst James Camerons Avatar

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* ab, das bisher zu begeistern wusste, wie keine andere Bluray die ich kenne. Ich rede über die Bilder, wohlgemerkt nicht über den Film. Es stellt sich nämlich wirklich die Frage, weshalb solche Qualitätsansprüche nicht an die HD-Umsetzungen wirklich guter Filme gestellt werden.

Nach einer Stunde Laufzeit kann ich dann auch tatsächlich etwas Entwicklung in der Handlung ausmachen. Nicht nur, dass die Reisegruppe inzwischen die ersten Kilometer zurückgelegt hat, es treten auch endlich Konflikte zutage und es wurden richtungweisende Andeutungen gemacht. Ja, die letzten 20 Minuten funktionieren tatsächlich genau so, wie sie sind. Vielleicht geht’s ja so weiter.

1:30 – Nach etwas Action sind der Hobbit und sein Anhang bei den Elben angekommen. Elben und Zwerge mögen sich allerdings nicht sonderlich, weil früher einmal schlimme Dinge passiert sind. Erwähnenswert: Nach über 90 Minuten taucht zum ersten mal eine Frau im Bild auf. Tatsächlich ist es Peter Jackson wieder einmal gelungen, in seinem Film fast völlig auf die Präsenz weiblicher Figuren zu verzichten. Selbst in Hinter Gittern – Der Frauenknast waren die Geschlechterverhältnisse seinerzeit ausgeglichener. Gerade das hat mich damals an der Herr der Ringe-Trilogie schon so gestört. Verzichten wir auf Frauen in tragenden Rollen konstruieren wir damit fast zwangsläufig ein extrem reaktionäres Gesellschaftsbild. Derselbe Fehler wird hier wiederholt. Ich mache mir noch ein Bier auf.

Gollum ist quasi der JarJar Binks von Mittelerde.

2:00 – Bilbo hat inzwischen so eine Art Laserschwert, außerdem ist Gollum gerade aufgetaucht. Der Film hat einen gewissen Rhythmus bekommen, der darin besteht dass immer abwechselnd gewandert und gekämpft wird. Und obwohl es gerade beinahe etwas dramatisch wurde, überwiegen doch die Albernheiten und beginnen zunehmend zu nerven. Der Hobbit war halt ursprünglich ein Kinderbuch und das merkt man auch dem Film an. Wirklich kindgerecht ist der natürlich trotzdem nicht. Einige Szenen sind da dann doch zu brutal.

2:10 – eine weitere Parallele zwischen Star War und dem Hobbit: Beide haben eine extrem nervige Nebenfigur. Gollum ist quasi der JarJar Binks von Mittelerde. Viel wichtiger: Was mir vor Jahren, als ich das Buch gelesen habe, gar nicht aufgefallen ist, ist wie limitiert der Ideenreichtum Tolkiens doch ist. Dass im Herrn der Ringe beinahe jedes Kapitel nach demselben Schema – Landschaftsbeschreibung, historische Einlassung, Brise von Handlung – aufgebaut ist? Geschenkt. Wie wenig der Autor aber mit seinen Figuren anzufangen weiß, zeigt sich im Hobbit so richtig. Regelmäßig bringt er seine Figuren in ausweglose Situationen, bevor völlig überraschend der schier allmächtige Zauberer als Deus ex Machina auftaucht und die Angelegenheit regelt. Da macht man es sich sehr einfach. In der Ringtrilogie gibt es diesen Kniff auch, da ist er aber dramaturgisch gehaltvoller angelegt. Für mich gibt es noch einen Deus ex Kühlschrank.

2:39 – Abspann, Fazit? Peter Jackson ist maßlos. Maßlos in seinen Bildern und noch maßloser in den Dimensionen seines Filmes. Mehr als 150 Minuten sind für den Normalzuschauer angesichts der dünnen Handlung einfach zu viel. Dabei ist der Film als solcher auch gar nicht so langweilig wie es sein Beginn vermuten lässt. Das Problem liegt in der ersten Stunde, die man mit gutem Recht auf zehn bis fünfzehn Minuten kürzen könnte. Es stellt sich auch die Frage, ob man tatsächlich jede Auseinandersetzung mit Orks darstellen muss oder solche Sachen nicht lieber für den Directors Cut aufspart. Alles in Allem also ein Film der Kategorie OK. Dass man aber noch zwei weitere Filme mit derselben Maßlosigkeit dreht, erschließt sich mir nicht. Zwei Filme mit Überlänge wären mehr als ausreichend gewesen.

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